Geschichte der Goldhaube in der Marktgemeinde Untergriesbach
Im 19. Jahrhundert war die Goldhaube mehrere Jahrzehnte lang festliche Kopfbedeckung für alle Anlässe und wurde von den ausschließlich wohlhabenden Besitzerinnen zum jeweiligen "Feiertagsgewand" getragen. Meist wurden die Hauben "auf dem Haus" weitervererbt, doch gibt es in der Gemeinde Untergriesbach mehrere Fälle, wo die Tochter bei der Heirat eine Goldhaube mitbekam. In den ersten drei Vierteln unseres Jahrhunderts wurde sie in Untergriesbach wie in den Nachbarpfarreien nur mehr bei Primizen (z.B. 1930, 1949, 1959) und von der sog. "Altfrau" bei großen Hochzeiten getragen. Die Besitzerinnen verliehen dafür ihre Hauben vielfach an eine Verwandte. Bekleidet waren die Frauen in dieser Zeit (bis 1979) mit dunklem Kleid oder Rock und Bluse in der jeweils üblichen - modischen - Länge sowie dem sog. "Doppelschal" (großer Wollschal mit türkischen Mustern) über den Schultern, teils auch mantelartig gesteckt. Die alten Photos zeigen jeweils 10 bis 15 Goldhaubenträgerinnen mit Doppelschal. Anhand dieser Photos konnten jedoch insgesamt 21 alte Goldhauben in der Marktgemeinde Untergriesbach ausfindig gemacht werden.
Zumindest ab der 700-Jahr-Feier der Markterhebung 1963 wurden die Goldhaubenfrauen auch zu festlichen weltlichen Anlässen eingeladen, so jetzt alle drei Jahre von der Markgemeinde zum Eröffnungsabend und zum Festzug der Untergriesbacher Heimattage. Auch bei Vereinsjubiläen mit Fahnenweihen sind die Goldhaubenfrauen bei Gottesdienst und Festzug eine optische Bereicherung. An der Fronleichnamsprozession und an der Kräuterweihe am 15. August, verbunden mit einem Gedenkgottesdienst für die verstorbenen Goldhaubenfrauen, beteiligen sie sich ebenfalls.
Mittlerweile haben sich alle derzeitigen Trägerinnen (aber beileibe nicht alle Besitzerinnen) von Goldhauben ein festliches Kleid nach dem Vorbild der oberösterreichischen Trachtenerneuerung zugelegt, also ein Kleid aus seidigem Stoff mit langem weitem Rock, mit langen Ärmeln und reichen Verzierungen an Ärmeln und Ausschnitt; möglich ist jede der Trägerin passende Farbe, so dass unsere Goldhaubengruppe immer ein farbenprächtiges Bild bietet. Der Doppelschal wird nur mehr als schmückendes Beiwerk über dem Arm (oder bei Kälte als Schutz über den Schultern) getragen. Ein Beuteltäschchen aus dem Stoff des Kleides oder ein Perltäschchen sowie ein zierlicher Schirm, meist mit Spitze gedoppelt oder mit Rüschen verziert, vervollständigen die Ausstattung. Je nach Anlass wird ein kleiner Blumenstrauß oder ein Sträußchen aus Gold- und Seidenblüten in der Hand getragen.
1979 fand in Untergriesbach der erste Goldhaubenstickkurs statt. Seitdem stickten Einwohnerinnen der Gemeinde bei verschiedenen Kursleiterinnen mindestens 60 Goldhauben; fünf weitere sind derzeit im Entstehen. Einige wenige Hauben wurden von ihren Besitzerinnen gekauft bzw. in Auftrag gegeben. Seit 1982 entstanden daneben auch 30 Mädchenhauben in Goldstickerei; von der Form her sind sie einfache Bodenhauben mit einer Goldspitze am Rand und einer Samt- oder Seidenschleife am unteren Bodenrand. Die Mädchen tragen zu ihren Häubchen ein Dirndlkleid oder ein dem Goldhaubenkleid nachempfundenes festliches langes Kleid in hellen Farben. Der Nachwuchs für Untergriesbachs Goldhaubengruppe ist also gesichert.