Geschichte & Brauchtum

Geschichte Untergriesbach's

Eine ungewöhnlich große Zahl vorgeschichtlicher Funde belegt eine erste Besiedlung im Raum Untegriesbach bereits vor ca. 5000 Jahren.

Seit dem Hochmittelalter ist die Geschichte Untergriesbachs eingebettet in die Geschichte der Region nördlich der Donau und östlich der Ilz, die seit jeher eine Einheit darstellte. Dieses Gebiet  war schon immer Durchgangsland von der Donau zur Moldau. Noch in den Quellen des Hochmittelalters zählte es zum sog. Nordwald, der bereits im Frühmittelalter von den fränkisch deutschen Königen zum Königsland erklärt wurde.  Neusiedler auf diesem Königsland mussten deshalb auch die sog. Königssteuer zahlen.

Der Markt und ein Großteil der Ortschaften des Marktgebiets verdanken ihre Entstehung und erste wirtschaftliche Blüte dem Adelsgeschlecht der Griesbacher, das ab dem 11. Jahrhundert hier eine große Grundherrschaft aufgebaut hat. Herrschaft- und Verwaltungszentrum war die Burg Griesbach, ca. 1 km südwestlich von Untergriesbach. Seit dem 12. Jh. findet sich für das Gebiet nördlich der Donau und östlich der Ilz die Bezeichnung „Grafschaft im Ilgau“ bzw. „Grafschaft jenseits der Donau“, deren Inhaber die Griesbacher waren.

 Bereits Ende des 12. Jahrhunderts wird in den Quellen das energische Bestreben der Passauer Bischöfe sichtbar, im Bereich nördlich der Donau einen geschlossenen Herrschaftsraum aufzubauen, um so den Grundstein für das spätere Fürstentum Passau zu legen. Zu diesem Zweck brachten sie Anfang des 13. Jahrhunderts auch die Grafschaft im Ilzgau unter ihre Oberherrschaft. Dem Streben Passaus nach einem geschlossenen Herrschaftsgebiet standen die Griesbacher am meisten entgegen. In den Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft im Raum nördlich der Donau fand im Jahr 1220 schließlich auch der letzte männliche Spross des Adelsgeschlechts der Griesbacher, Heinrich von Griesbach/Waxenberg, den Tod. 

Nach der Übernahme durch die Passauer Bischöfe wurde für diese Region die Bezeichnung „Land der Abtei“ üblich. Damit sollte  von den bischöflichen Behörden wohl auf die angebliche Besitzherkunft - von der Abtei Niedernburg - verwiesen werden. Das Abteiland wurde nun zum Kernland des Hochstifts Passau. Es  blieb fast 5 ½ Jahrhunderte unter der Herrschaft der Passauer Fürstbischöfe und diese lange Zeit hat Land und Leute in der Region entscheidend geprägt.

Am 18. März 1263 verlieh Bischof Otto von Lonsdorf  dem damals schon fürstbischöflichen Ort Griesbach die Marktrechte. 

Im Jahr 1367 wurden Markt und Kirche von Untergriesbach von den aufständischen Passauer Bürgern niedergebrannt. Die Pfarrkirche St. Michael wurde im spätgotischen Stil wieder aufgebaut und im Laufe des 18. Jahrhunderts in mehreren Etappen barock umgestaltet. 

1803 kam der Markt Griesbach zusammen mit dem östlich der Ilz gelegenen Teil des ehemaligen Abteilandes an Großherzog Ferdinand von Salzburg Toskana und 1806 schließlich zu Bayern. 

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts  wurde Griesbach zur besseren Unterscheidung von Griesbach im Rottal ohne Rücksicht auf Geographie und Topographie in Untergriesbach umbenannt.

Mehr zu den Marktrechten und Heimattagen lesen: http://www.marktrechte.de

Unverfälschtes Brauchtum

Brauchtum wird im Markt Untergriesbach ein hoher Stellenwert zugeschrieben und von der Bevölkerung geliebt und gelebt. Als traditionsreicher, ehemals fürstbischöflicher Markt im einstigen Land der Abtei, ist der Jahresablauf von Bräuchen verschiedener Art geprägt. 

Januar

  • Musikalische Neujahrsgrüße 
  • Neujahrsabgewinn
  • Rauhnudelbettler in der Rauhnacht am 05. Januar
  • Sternsinger um Hl. Dreikönig

März/April/Mai/Juni

  • Osterbräuche: Palmbuschen, Ratschen, etc.
  • Frühlingskirta im April
  • Maibaumaufstellen, Maibaumsteigen
  • Fatima-Feier am 13. Mai
  • Kranzltag an Fronleichnam
  • Pfingstsingen (Wasservogelsingen) am Pfingstsonntag
  • Sonnwendfeuer im Juni

 Juli

  • Untergriesbacher Heimattage – alle drei Jahre am 2. Juliwochenende (nächster Termin 2020)
  • in den Jahren dazwischen Volksfest am 2. Juliwochenende

September/Oktober

  • Michaeli-Kirta – immer Sonntag nach Michaeli 

November/Dezember

  • Martins-Kirta – meistens am 1. Sonntag im November
  • Martinsumzüge
  • Advents- und Weihnachtsbräuche
  • Gottsdorfer Stallweihnacht – alle zwei Jahre

 

Untergriesbach, eine Marktgemeinde voll Brauchtum und Tradition – was nicht nur in den verschiedenen Veranstaltungen erkennbar ist. Auch einige der heimischen Vereine, Gruppen und Verbände beruhen auf einer jahrhundertelangen Geschichte. 

Salvator Bruderschaft – Zeichen der Hoffnung und des Trostes

Der älteste Untergriesbacher Verein ist die Salvator Bruderschaft. Seit 1702 erfüllen 33 Brüder treu ihre Aufgabe. Sie geben den Toten das Geleit ins Jenseits und stehen den Angehörigen bei. Die Männer in ihren blauen Kutten und mit ihren Stäben, versehen von Generation zu Generation in aller Stille ihren Dienst und gehören zum Bild örtlicher Prozessionen. Sie sollen die Lebensjahre unseres Herrn symbolisieren. Indem sie um ein offenes Grab stehen und so den Verstorbenen und seine Angehörigen in ihre Mitte nehmen, gilt das als Zeichen der Hoffnung und zugleich des Trostes. Die Salvator Bruderschaft lebt den Glauben über den christlichen Dienst hinaus und zeigt die Liebe zu Gott und den Menschen, ganz nach dem Pastoralplan. Bereits seit 300 Jahren erweist die Bruderschaft, mit ihren 33 männlichen Mitgliedern, ihren Dienst in der Pfarrgemeinde und ist aus dem Ortsbild nicht mehr wegzudenken.

Goldhauben – traditionsreich, unverwechselbar, echt

Seit Generationen sind Goldhauben ein bekanntes Bild bei Kirchfesten, Festumzügen, Feierlichkeiten und besonderen Anlässen. In der Marktgemeinde Untergriesbach ist die Goldhaubentracht unverfälscht und echt und wird von ihren Trägerinnen mit Stolz getragen. Für alle traditionsbewussten, heimatverbundenen Menschen und Besucher eine Augenweide. 

Geschichte der Goldhaube in der Marktgemeinde Untergriesbach
Im 19. Jahrhundert war die Goldhaube mehrere Jahrzehnte lang festliche Kopfbedeckung für alle Anlässe und wurde von den ausschließlich wohlhabenden Besitzerinnen zum jeweiligen "Feiertagsgewand" getragen. Meist wurden die Hauben "auf dem Haus" weitervererbt, doch gibt es in der Gemeinde Untergriesbach mehrere Fälle, wo die Tochter bei der Heirat eine Goldhaube mitbekam. In den ersten drei Vierteln unseres Jahrhunderts wurde sie in Untergriesbach wie in den Nachbarpfarreien nur mehr bei Primizen (z.B. 1930, 1949, 1959) und von der sogenannten "Altfrau" bei großen Hochzeiten getragen. Die Besitzerinnen verliehen dafür ihre Hauben vielfach an eine Verwandte. Bekleidet waren die Frauen in dieser Zeit (bis 1979) mit dunklem Kleid oder Rock und Bluse in der jeweils üblichen - modischen - Länge sowie dem sogenannten "Doppelschal" (großer Wollschal mit türkischen Mustern) über den Schultern, teils auch mantelartig gesteckt. Die alten Photos zeigen jeweils 10 bis 15 Goldhaubenträgerinnen mit Doppelschal. Anhand dieser Photos konnten jedoch insgesamt 21 alte Goldhauben in der Marktgemeinde Untergriesbach ausfindig gemacht werden. 

Zumindest ab der 700-Jahr-Feier der Markterhebung 1963 wurden die Goldhaubenfrauen auch zu festlichen weltlichen Anlässen eingeladen, so jetzt alle drei Jahre von der Marktgemeinde zum Eröffnungsabend und zum Festzug der Untergriesbacher Heimattage. Auch bei Vereinsjubiläen mit Fahnenweihen sind die Goldhaubenfrauen bei Gottesdienst und Festzug eine optische Bereicherung. An der Fronleichnamsprozession und an der Kräuterweihe am 15. August, verbunden mit einem Gedankgottesdienst für die verstorbenen Goldhaubenfrauen, beteiligen sie sich ebenfalls. 

Mittlerweile haben sich alle derzeitigen Trägerinnen (aber beileibe nicht alle Besitzerinnen) von Goldhauben ein festliches Kleid nach dem Vorbild der oberösterreichischen Trachtenerneuerung zugelegt, also ein Kleid aus seidigem Stoff, mit langem weitem Rock, mit langen Ärmeln und reichen Verzierungen an Ärmeln und Ausschnitt; möglich ist jede zur Trägerin passende Farbe, so dass unsere Goldhaubengruppe immer ein farbenprächtiges Bild bietet. Der Doppelschal wird nur mehr als schmückendes Beiwerk über dem Arm (oder bei Kälte als Schutz über den Schultern) getragen. Ein Beuteltäschchen aus dem Stoff des Kleides oder ein Perltäschchen sowie ein zierlicher Schirm, meist mit Spitze gedoppelt oder mit Rüschen verziert, vervollständigen die Ausstattung. Je nach Anlass wird ein kleiner Blumenstrauß oder ein Sträußchen aus Gold- und Seidenblüten in der Hand getragen.

1979 fand in Untergriesbach der erste Goldhaubenstickkurs statt. Seitdem stickten Einwohnerinnen der Gemeinde bei verschiedenen Kursleiterinnen mindestens 60 Goldhauben; fünf weitere sind derzeit im Entstehen. Einige wenige Hauben wurden von ihren Besitzerinnen gekauft bzw. in Auftrag gegeben. Seit 1982 entstanden daneben auch 30 Mädchenhauben in Goldstickerei; von der Form her sind sie einfache Bodenhauben mit einer Goldspitze am Rand und einer Samt- oder Seidenschleife am unteren Bodenrand. Die Mädchen tragen zu ihren Häubchen ein Dirndlkleid oder ein dem Goldhaubenkleid nachempfundenes festliches langes Kleid in hellen Farben. Der Nachwuchs für Untergriesbachs Goldhaubengruppe ist also gesichert.Text: Christa Köberl, verfasst 1996 anläßlich der Sonderausstellung "Goldhauben in der Marktgemeinde Untergriesbach".